Jan-Lennard Struff: "Ab Weltranglistenplatz 100 wird es problematisch"

Jan-Lennard Struff über Tennistraining in Corona-Zeiten, möglichen Verzicht auf Werbeeinnahmen und Spenden an frühere Clubs.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 09.04.2020, 15:23 Uhr

Jan-Lennard Struff steht in halle in Runde zwei
© Getty Images
Jan-Lennard Struff

Das Tennis ruht, sowohl im Vereins- wie auch im Profi-Bereich. Wann es weitergeht, steht bislang in den Sternen, eine Rückkehr im Rahmen der US-Hartplatzsaison scheint bislang zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen./

Auch für die Profis ist die aktuelle Situation neu. Während die Superstars der Szene zumindest auf eigene Courts zum Training zurückgreifen können, stehen andere Spieler aktuell ohne Trainingsmöglichkeit dar. So langsam aber scheint sich etwas zu tun. "Seit vergangener Woche habe ich vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen eine Sondergenehmigung, ich darf ab sofort wieder trainieren", sagte Deutschlands Nummer 2, Jan-Lennard Struff, gegenüber dem SPIEGEL. "Ich kann verstehen, wenn solche Ausnahmeregelungen für Sportler vom Rest der Bevölkerung in der jetzigen Situation kritisch gesehen werden. Aber es ist auch mein Job. Und wir haben strenge Auflagen bekommen."

Zumal es aktuell nicht darum gehe, "voll durchzuholzen", sondern um zwei, drei Trainingseinheiten pro Woche. "Impulse setzen, nichts verlernen, das Fitnesslevel halten", so Struff.

Struff: "Viele werden auf der Strecke bleiben"

Eine komplette Absage der Saison, wie sie nicht auszuschließen ist, würde wohl einige Spieler treffen, "ab Weltranglistenposition 100 oder vielleicht auch 150 wird es wohl problematisch", glaubt der Warsteiner. Finanzielle Probleme und Corona-Einschränkungen bei Reisen könnten somit auch Coaches und Physiotherapeuten betreffen. "Das ist schon ein Schlag. Dann kommen vertragliche Probleme hinzu. Was ist, wenn die Trainer nicht mehr bezahlt werden können? Es wird ein Kreislauf in Gang gesetzt. Und viele werden auf der Strecke bleiben."

Eine Idee: Besserverdiener sollen etwas an die stärker betroffenen Spieler abgeben. Ein richtiger Gedanke, dessen Umsetzung schwierig werden könnte, so "Struffi". "Ich sehe es an mir: Ich habe noch ein paar Jahre, in denen ich spielen kann. Ich muss vorsorgen für die Zeit danach. Ich habe Abitur und werde vermutlich im Tennisbereich bleiben können. Aber ich habe nicht studiert und bin nicht seit Jahren und für zig weitere Jahre fest in einem Job angestellt." Federer, Djokovic und Nadal indes haben schon riesige Summen gespendet, Struff schlägt vor, dass Spenden auch gezielt ins Tennis gelangen, beispielsweise an frühere Clubs oder alte Trainer, die aktuell ohne Beschäftigung seien.

Er selbst könne sich vorstellen, seinen Sponsoren entgegenzukommen, sollte es Einbußen aufgrund der Coronakrise geben und die Firmen Probleme kriegen. "Wir sind Partner. Ich würde verzichten", so der 29-Jährige. Der allerdings auch auf den Unterschied zu Fußballern hinwies. "Wir sind Einzelunternehmer. Wenn es wieder losgeht, dann muss ich zusehen, wie ich die Kosten decke."

Hier geht's zum SPIEGEL-Interview.

von Florian Goosmann

Donnerstag
09.04.2020, 19:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 09.04.2020, 15:23 Uhr